6. Treffen: Spiele spielen > Spiele entwickeln

Langsam kommt Bewegung in die Schülerfirma und wir stellen fest: Spiele zu spielen ist viel weniger anstrengend als Spiele zu entwickel! Und letzteres kann manchmal auch ein ziemlich zäher Prozess sein. Aber der Reihe nach, denn es gibt auch gute Nachrichten! Nina, Karolina und Philip haben verschiedene Logoentwürfe angefertigt. Alle sehen sehr unterschiedlich und richtig cool aus. Weil unser Grafikprogramm am meisten mit der Zeichnung von Philipp anfangen kann – und weil er nicht nur eine Skizze, sondern auch gleich die farbige Version in verschiedenen Ausführungen mitgeliefert hat – probieren wir zunächst mal, wie sein Entwurf in Echt rüberkommt. Vorerst schmückt also ein fies grinsender Samurai-Smiley unsere Webseite. Ja, das hat schon was!

Tolle Neuigkeiten gibt es auch von der Spielefront! Wir konnten einen Auftraggeber davon überzeugen, dass wir unser erstes Spiel für ihn entwickeln. Wer der geheimnisvolle Geschäftspartner ist, werden wir an dieser Stelle noch nicht verraten. Aber schon der Auftrag an sich ist natürlich super, denn damit sind wir vom Markt als richtiges Unternehmen akzeptiert. Mit den Vorarbeiten für diesen Auftrag hatten wir schon letzte Woche begonnen, um unserem Geschäftspartner gegenüber überzeugend auftreten zu können. Jetzt geht es an die Detailarbeit. Das Spiel ist zwar nicht komplex, aber dafür muss viel recherchiert werden. Das erledigt eine kleine Arbeitsgruppe an drei Computern, die dazu im Internet recherchiert und die gefundenen Daten in einer Exceltabelle festhält. So kreativ ist das nicht, aber Spieleautoren sind ja auch zu 99 % Handwerker und nur zu 1 % Künstler. Von daher ist es nur richtig, dass die Schüler lernen, dass zu jedem Beruf auch immer Arbeit im Sinne von Arbeit dazugehört. Vor allem im eigenen Unternehmen! Da man sich auch bei eher zähen Aufgaben nicht mit halben Sachen zufrieden geben, sondern muss sogar besonders gute Leistungen abliefern – auch wenn es mal keinen Spaß macht.

Parallel dazu arbeitet eine zweite Gruppe unter der Leitung von Tim und Philip weiter am zweiten Spiel, das wir möglichst bis zum Frühjahr fertigstellen wollen. Die Jungs haben über die Ferien tolle Arbeit geleistet und nicht nur die „Hausaufgaben“ erledigt, sondern auch schon weitergedacht und ihre Vorstellungen so ausgearbeitet, dass sie gemeinsam mit Nina und Karolina die nötigen Illustrationen besprechen können. Außerdem haben sie selbständig über Discordapp (einer Mischung aus Skype und Dropbox) eine Gruppe eingerichtet, in der wir uns zukünftig besser miteinander austauschen können. Es gibt Bereiche für die einzelnen Arbeitsprojekte, Ankündigungsmöglichkeiten und genügend Speicherplatz, um wichtige Dokumente wie Grafiken, Fotos usw. für alle zur Verfügung zu stellen. Und das klappt über diesen Kommunikationsweg in dieser Schülerfirma sogar richtig gut, da lernt auch der Lehrer gerne dazu.

Alle anderen sind mit Zeichnen von Comicfiguren beschäftigt. Taylan hat einige Bücher dazu mitgebracht, weitere Impulse geben Youtube und andere Tutorials. Die Ergebnisse sind für das Alter unserer Jüngsten richtig super. Im nächsten Schritt müssen sie nur noch lernen, wie sie von Vorlagen zu eigenen Ideen kommen. Das ist nicht so leicht, wie es sich anhört, aber wir werden viele Grafiken und Illustrationen brauchen. Deshalb wird die Zeichnerausbildung in den eigenen Reihen ab jetzt noch mehr Priorität erfahren. Drei weitere Zeichen-Bücher wurden schon auf Schülerfirmenkosten bestellt. Auch das ist ein wichtiger Lernprozess: in die Entwicklung der eigenen Kompetenzen investieren!

Zum Abschluss des Treffens wird noch gespielt: die Schüler lernen „Samurai-Spirit“ kennen. Ein kooperatives Spiel, bei dem alle zusammen als Samurais ein Dorf gegen fiese Plünderer verteidigen müssen. Leider endet unser Unterfangen mit einem Fiasko und wir werden vom Spiel besiegt. Beim nächsten Mal sollten wir unsere Helden vielleicht besser nach sich ergänzenden Fähigkeiten und nicht nach coolem Aussehen zusammenstellen. Aber wichtiger war ohnehin, eine neue Art von „Spiel“ kennenzulernen. Gemeinsam gegen einen Spielmechanismus anzutreten und sich abzusprechen und Taktiken zu entwickeln, ist eben etwas anderes als das bisher bekannte „jeder gegen jeden“. Und macht sich vermutlich auch besser als Metapher für „Zusammenarbeit in einer Schülerfirma“…