2. Treffen: Spiele kennenlernen und analysieren

Wer Spiele erfinden will, muss vor allem viele Spiele kennen. Das zweite Treffen der Schülerfirma stand daher im Zeichen von „Love Letter“, einem einfachen, aber genialen Bluff- und Taktikspiel für 3-5 Spieler. Es wurde von Seiji Kanai entwickelt und ist bei Pegasus Spiele erschienen. Eine kurze Vorstellung des Spiels findet Ihr übrigens hier in unserer Spiele-Rubrik.

Die meisten Teilnehmer der Schülerfirma kannten das Spiel bereits von den Projekttagen, als es im Rahmen des Hoffenheim Sportcamps sehr zur Unterhaltung abseits des Sports beitrug. Die anderen lernten es schnell kennen und merkten rasch, was den großen Reiz des Spiels ausmacht: seine Mitspieler mit geschickter Taktik, guter Kombinationsgabe und etwas Glück aus dem Spiel zu kicken! Dazu gibt es nur 8 verschiedene Kartentypen mit unterschiedlichen Funktionen und insgesamt 20 Karten. Jeder Spieler hat nur eine Karte auf der Hand und nur derjenige, der am Zug ist, zieht eine zweite. Dadurch lässt sich das Spiel in nur 1-2 Minuten erlernen und kann fast ebenso schnell gespielt werden. Eine Testrunde spielten wir von Beginn bis zum Rundensieg eines Spielers in rekordverdächtigen 1:26 Minuten. In unserer Analyse konnte das Spiel außerdem mit der geringen Cooldown-Zeit, dem geringen Erstellungsaufwand, gutem Balancing und dem billigen Herstellungskosten/Preis punkten.

Auch eine kleine Leseeinheit folgte. Wir haben bereits verschiedene Fachbücher zum Thema „Spieleautoren“ angeschafft und lasen gemeinsam ein Kapitel über bemerkenswerte Spielmechanismen. Als Lehrer merkt man schnell, dass Schüler in einer Schülerfirma nicht auch noch Sachtexte lesen wollen. Aber da muss man durch. Die Schüler merken dafür, dass sie von den Gedanken und Erfahrungen anderer unheimlich viel lernen können. Zum Beispiel, warum schwer gepanzerte Kühe mit Raketenwerfern schwerer aufstehen können als leicht gepanzerte und was das mit einem Spielbalancing zu tun hat.

Gegen Ende des zweiten Treffens wurden noch weitere Spiele vorgestellt: Piraten kapern, Port Royal, Smash Up und The Game. Alles Spiele mit unterschiedlichen Spielmechanismen, die aber gemeinsam haben, das sie einfach sind und mit wenig Platz und Material auskommen. Für die Schüler tolles Anschauungsmaterial, die ersten Ideen für eigene Spiele sprudeln nur so. Das muss aber auf eine der nächsten Sitzungen verschoben werden, wir sind noch in der Lernphase.

Als letztes steht noch einmal der Firmenname auf dem Programm. Zwei weitere Vorschläge sind hinzugekommen: „Samurai-Games“ und „Wir-sind-Ninjas“. Für beide gibt es viele gute Argumente, die endgültige Entscheidung wird also noch einmal aufgeschoben, damit alle in Ruhe überlegen können.