10. Treffen: Jetzt wird’s wissenschaftlich!

In zwei Gruppen testen wir die Spielmechanik unseres zweiten Spieleentwurfs. Zu dritt und zu fünft spielen wir nach den von uns entworfenen Grundregeln, während Dmitri und Berke Datenmasken in Exceltabellen ausfüllen. Welcher Spieler gewinnt wie oft? Wie oft wird das Spiel durch ein besonderes Manöver entschieden? Wie lange wird pro Runde gespielt? Nach wieviel Runden ist ein Spiel beendet?

Der Sinn der Analyse wird schnell klar. So fällt auf, dass in der Dreier-Runde der Startspieler und der letzte Spieler fast immer die Verlierer sind. Der Spieler in der Mitte, der also als erster eine Karte tauschen darf, ist fast immer der Gewinner. Sein Vorteil müsste also noch abgeschwächt werden – oder die Nachteile der anderen beiden Spieler aufgehoben werden. Weiterhin fällt auf,  dass das Spiel fast immer durch das besondere Manöver beendet wird und fast jeder versucht, durch geschicktes Kartentauschen dieses zu erreichen. Dass man mit einfacheren Mitteln ebenso erfolgreich zum Zug kommt, ist noch nicht jedem klar, auch nicht nach einigen Runden. Anscheinend ist unser Spiel auf der taktischen Ebene nicht transparent genug – oder der Anreiz, das besondere Manöver durchzuführen, ist einfach zu hoch. Auch hier müssen wir Regelwerk und Spielmechanik überarbeiten.

Die Zeichner und die Abteilungleiter der Spieleproduktion beschäftigen sich in der Zeit weiter mit den Illustrationen. Auf den Tischen liegen 8 Zeichnungen aus, das ist das bisherige Ergebnis unserer Anstrengungen. Schnell fällt auf, dass sich die Zeichenstile doch deutlich voneinander unterscheiden. Positiv ist, dass wir bei genauerem Hinsehen Möglichkeiten entdecken, unsere Arbeit zu vereinfachen. Statt ganzer Figuren wollen wir in Zukunft nur Ausschnitte zeichnen. Das löst einerseits das Platzproblem auf den Karten und erspart andererseits Detailarbeit bei Händen und Füßen, die nicht immer leicht zu zeichnen sind.

Höhepunkt des Treffens ist die abschließende Präsentation der Finanzabteilung. Mit einem Augenzwinkern präsentiert Dmitri seine Verteilungsformel für mögliche Gewinne. Das Besondere daran: bei den Jüngeren werden die Anteile zusammengekürzt, um die Gewinnbeiteiligung der Älteren nahezu zu verdoppeln. Der Einwand, dass die Jüngeren bei einer Abstimmung in der Mehrheit sind, wird mit dem Argument entkräftet: „Dafür stellen wir Älteren die Geschäftsführung und die Leiter der Finanzabteilung. Das läuft schon!“ Ist natürlich alles nicht ernst gemeint, aber da soll noch einmal jemand sagen, dass die Schüler keinen Realitätsbezug haben oder nicht wissen, wie es in der Wirtschaft zugeht…